Nachlese 6. ArtEduTalk „Apps für Kinder“

„Wie bekommen wir das geappt?“ Apps für Kinder als Türöffner und Motivation

Nachlese zum 6. Artedutalk 2018 zum Thema „Kulturvermittlung in Apps für Kinder“. Gemeinsam mit unserer Gastkuratorin und Expertin im Bereich Apps für Kinder, Anja Gebauer haben wir, ausgehend von acht Fragen, Meinungen, Erfahrungen und Einstellungen zum Bereich Apps für Kinder ausgetauscht.

Immer mehr Museen entwickeln selbst Apps für Kinder. Was macht eine gute App zur Kulturvermittlung aus? Hier sind die Meinungen der Artedutalkers vielfältig aber durchwegs eindeutig:

Es geht nicht darum eine App zu haben, sondern darum durch und mit einer App die Ziele der Institution weiterzuentwickeln und vor allem Bedürfnisse der Zielgruppen aufnehmen. Die Praxis sieht, laut euren Tweets dennoch anders aus. Manchmal überwiegt das „haben wollen“ und lässt dabei die Nachfrage an einem derartigen Tool in den Hintergrund rücken. Und wenn die Nachfrage gegeben ist, dann wird manchmal der zeitliche Aufwand, das nötige Budget oder die begleitende Werbekampagne unterschätzt.

Das Thema der „Nachfrage“ hat Parallelen mit der Überlegung, was wohl zuerst da war? Die Henne oder das Ei. Denn Nachfrage hängt auch unmittelbar mit Audience Development zusammen und wenn das Publikum über den Nutzen oder den Benefit eines Tools wie eine App nicht genug Bescheid weiß, dann wird es dazu auch keine Nachfrage geben.

Apropos Kampagne: In unseren vorangegangen artedutalks sind wir immer wieder auf das Thema der internen Kommunikation und Vernetzung gestoßen. Dabei sind sich Kulturdigitalistas einig, dass die Bespielung des digitalen Raumes vor allem durch ein Miteinander funktioniert.

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Woran erkennt man eine gute App für Kinder? Daran, dass es nicht schulisch wirkt und das „Lernen“ auf kreative Art und Weise so verpackt wird, sodass es ein zusätzlicher Nebeneffekt darstellt. Eine App soll also vorrangig Spaß machen.

Damit eine App auch Spaß macht sollten einige Dinge berücksichtigt werden:

  • Hat die App eine gute Storyline?
  • Hat die App eine überzeugende Grafik?
  • Wie können sich Kinder schnell und kreativ damit beschäftigen?
  • Welche Spiele sind integriert?
  • Ist sie für jedes Betriebssystem nutzbar?
  • Ist sie Barrierefrei?

Bevor sich Kulturinstitutionen für eine App für Kinder entscheiden gilt es auch zu überlegen, welche Chancen und welche Risiken sich auftun. Die Artedutalkers sehen folgende Chancen und Risiken:

Als Chance wird es empfunden, Barrieren zwischen den Altersgruppen zu überwinden. Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern über ein digitales Tool neues entdecken. Vermittlung, passiert nicht nur einseitig, sondern funktioniert auch mit heterogenen Gruppen. Kinder werden bei etwas vermeintlich „langweiligem“ abgeholt mit einem für sie spannenden Tool. Dadurch lassen sich Schwellenängste abbauen. Apps für Kinder können auch neue Zugänge und Sichtweisen bringen. Sie können interaktives, kreatives und eigenständiges Umgehen mit der Kultur anregen. Mit zeitgenössischen Mitteln, wie einer App.  Eine Chance darin, keine Trennung mehr zwischen analog und digital zu machen.

Eine der Risiken verbirgt sich vor allem hinter dem Antrieb der Institutionen, warum sie sich für eine App entscheiden. Denn es sollten dafür keine anderen, vielleicht grundsätzlichere Dinge auf der Strecke bleiben, nur weil man ein hippes Spielzeug einsetzen möchte.

Eine App bietet schon allein technisch sehr viele Möglichkeiten. Nur welche sollte man warum einsetzen? Wie kann man eine App überhaupt auf der Vermittlungsebene einsetzen?

Was können Kinder also mit/durch einer App machen? Fotografieren, Malen, Schreiben, Sortieren, Veröffentlichen, Vernetzen,…Eine  Apps sollte als Werkzeug zur Auseinandersetzung mit Kultur eingesetzt werden. Dabei muss man immer eine selbst konstruierte App einsetzen, sondern je nach Ziel und Inhalt bestehende Mal- & Zeichenapps, Quizzapps, AR, oder Videotools nützen. Eine App kann das Lernen mit kindgerecht aufbereiteten, passenden Informationen unterstützen.

Sie kann als Türöffner fungieren und motivieren. Will eine App den Spagat zwischen Entertainment und Bildung schaffen sollten jede Menge spielerische Elemente an Inhalte geknüpft sein. Damit das Thema interessant transportiert werden kann, ist ein professionelles Design und Layout sehr wichtig und macht viel aus, damit dass sie nicht wie eine trockene und langweilige „Bildungsapp“ wirkt! Sie sollten auf jeden Fall Spaß machen und Lust auf das Entdecken! Im Museum oder auch anderswo. Verknüpft mit dem jeweiligen Thema.

Wie es künftig in Sachen Apps und Co für Kinder weitergeht, hängt von mehreren Komponenten ab. Parallell dazu werden sich weitere Formen digitaler Vermittlungsformate entwickeln, die in Zukunft vielleicht noch flexibler eingesetzt werden können. Dann geht es weniger um die Hüllen wie „App“, „AR“, „Tablet“ als eher um die optimale Nutzung der Möglichkeiten – digital und analog.